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Landkarten - Weltbilder - Bilderwelten
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Wenn man sich fragt, warum Karten - besonders historische - auf viele Menschen eine besondere Faszination ausüben, stößt man auf eine große Bandbreite an Antworten, die von den epochemachenden politischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit bis hin zu den geheimnisvollen Schatzsuchergeschichten unserer Kindheit reichen. Landkarten dokumentieren den Wandel der Weltbilder, die Entdeckung der Welt, die Verteilung der Macht. Sie zeigen Handelswege, Landschaften, Grenzen und Möglichkeiten. Man benutzt diese Bilder, um seinen eigenen Standort, seine Ziele und Wege zu bestimmen. Die ältesten bekannten Landkarten fand man 1963 in Catal Hyük in der Nähe von Ankara in der Türkei. Sie wurden dort etwa im Jahre 6200 v. Chr. an eine Felswand gemalt und zeigen die Straßen und Häuser eines Dorfes. Die neusten Landkarten werden mit Hilfe von Satelliten erstellt und können auch die Straßen und Häuser eines Dorfes zeigen.
Im 15. Jahrhundert übersetzten die Gelehrten das über 1300 Jahre alte Buch "Geographia" des Ptolemäus aus dem Arabischen und Griechischen ins Latein. Ptolemäus hatte darin genaue Anleitungen zum Kartenzeichnen geschrieben und die geographischen Angaben von tausenden damals bekannten Orten gesammelt. Er tat das, weil es leichter war einen Text genau abzuschreiben, als eine Karte genau abzumalen. Etwa zur gleichen Zeit entwickelten sich neue Druckverfahren, mit denen man immer leichter große Mengen exakter Kopien herstellen konnte. So druckte man die ersten Landkarten in Europa nach uralten Angaben aus den Büchern des Ptolemäus. Als die großen Entdecker sich aufmachten auf die Suche nach neuen Handelswegen und dem Rand der Welt wurden außerdem möglichst genaue Karten immer wichtiger und wertvoller. Es entstanden viele Werkstätten in denen Geographen, Kupferstecher, Zeichner und Verleger sich bemühten, die gewaltige Nachfrage zu bedienen. Gute Karten waren so wertvoll, das mache Handelsgesellschaften die Kartenkisten ihrer Flotte mit Blei beschweren ließen, damit sie bei einer Havarie nicht in die Hände der Konkurrenz gerieten. Die Phantasie, das Dogma der Kirche, die Mythologie traten in diesen neuen Bildern zugunsten der "Nützlichkeit" immer mehr in den Hintergrund. Zunächst in Italien, dann in Deutschland und mit den Entdeckungen der Seefahrer in deren Heimatländern, den Niederlanden, England, Frankreich und Spanien entstanden die ersten Zentren "moderner" Kartografie.
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Kartografen:
Ptolemäus
Der alexandrinische Gelehrte Claudius Ptolemäus (87 - 150) hatte 150 n. Chr. seine "Geographia" veröffentlicht, darin bestimmt er mittels mathematisch berechneter Koordinaten die Lage von mehreren tausend Orten der damals bekannten Welt, zudem gibt er genaue Anleitungen zum Kartenzeichnen. Im 15. Jhd. wurde dieses durch griechische Handschriften überlieferte Werk wiederentdeckt und mit seiner lateinischen Übersetzung einem größeren Gelehrtenkreise zugänglich.
Mercator
Gerardus Mercator, eigentlich Gerard Kremer (1512 - 1594), war Instrumentenbauer und Kartograph aus Flandern. Er war einer der Wenigen, der seine Karten selbst entwarf und stach. In seiner Weltkarte von 1569 verwendete er erstmals die nach ihm benannte winkeltreue Zylinderprojektion. Diese erleichterte besonders den Seefahrern die Navigation, wenn auch die Darstellung der Erde zu den Polen hin besonders stark verzerrt wurde. Auch war die Kartensammlung, die kurz nach seinem Tode erschien die erste, die den Namen Atlas trug. Bisher waren Bezeichnungen wie Theatrum, Theatre, Tabularum, Prospectum und dgl. üblich. Nur wenige Jahre nach Mercators Tod wurde von den Erben der gesamte Besitz verkauft; den Plattenbestand kaufte Hondius. Bis 1632 erschienen noch zwanzig Mercator-Auflagen. Als 1638 der Schwiegersohn Hondius' Johann Janssonius den Verlag übernahm, war der Atlas auf sechs Bände angewachsen, enthielt jedoch nur noch 18 Mercator-Karten. Um 1664 war dann auch sein Name aus den Titelblättern verschwunden.
Ortelius
Als erster "moderner" Atlas gilt der 1570 erstmals erschienene Weltatlas "Theatrum orbis Terrarum" von Abraham Ortelius (1522 - 1598). Von diesem Werk wurden 36 Auflagen in verschiedenen Sprachen verlegt.
Die Familie Blae in der Grafik-Galerie zur Frankfurtkarte
Der bedeutendste niederländische Kartenhersteller zu Beginn des 17. Jhd. ist Willem Janszoon (1571 - 1638), der ab 1618 seinem Namen "Blaeu" hinzufügte, um Verwechselungen mit Johann Jansson, dem Schwiegersohn des Hondius, seinem schärfsten Konkurrenten, zu verhindern. Blaeu war Schüler des berühmten Astronomen Tycho Brahe. Willem Janszoon Blaeu war der Gründer des Verlagshauses und etablierte den guten Namen der "Blaeu Karten". 1634 begann er, den Atlas "Theatrum Orbis Terrarum" oder "Novus Atlas" zu veröffentlichen. Nach seinem Tode folgte ihm sein Sohn Johannes (1596 - 1673), der sich die "gesamte Beschreibung von Himmel, Erde und Wasser" zum Ziel setzte. Blaeu-Karten sind für die große Sorgfalt und hohe Qualität auf jeder Produktionsstufe bekannt - sie verwandten nur beste Papiere, fein gestochene Druckplatten und die höchsten Standards der Drucktechnik. Es entstand ein großes Unternehmen mit eigener Druckerei, Lektorenzimmern, Korrekturräumen, Werkstätten und Buchbinderei. 1672 brannte der Betrieb ab. Die aus den Bränden geretteten Bestände wurden an andere Kartenverleger verkauft und dienten bis ins 18. Jhd. als Vorlagen.
Janssonius
Blaeus stärkster Konkurrent war Johann Janssonius (1588 - 1664), der zusammen mit seinem Schwager Hendric Hondius (1597 - 1651) Atlanten herausgab.
Hondius
Jodocus Hondius (1563 - 1612) war ein führender Kartenstecher seiner Zeit; er arbeitete für viele Niederländische Verleger und war bei den Englischen Kartenkändlern Sudbury und Humble beschäftigt, um die Karten für John Speed's "The Theatre of the Empire of Great Britaine" (1612) zu stechen. 1604 kaufte Hondius die Kupferplatten von Mercator auf einer Auktion bei Gerard jr. Die Neuauflage des Atlasses 1606 enthielt etwa 40 weitere Karten der Kontinente und neuer Regionen Amerikas und trat damit in Konkurrenz zu Ortelius' Theatrum. Nach seinem Tode 1612 führte seine Witwe Coletta van den Keere die Geschäfte fort und ab 1619 übernahm der Sohn Hendricus das Geschäft. Ab 1633 arbeitete man mit Johann Janssonius jr, Hendric's Schwager, zusammen.
Die biografischen Daten stammen aus: Sylvia Wolf, Dekorative Grafik, München 1981 Peter Babendererde, Dekorative Grafik, Braunschweig 1975
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